Internationaler Brückepreis geht an:

2004 - Valdas Adamkus

Litauischer Politiker und Staatspräsident

Valdas Adamkus

Valdas Adamkus erhält Internationalen Brückepreis 2004 der Europastadt Görlitz/ Zgorzelec.

Laudatio
Begründung
für die Vergabe des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec 2004 an Valdas Adamkus
 

Die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz/Zgorzelec vergibt den Preis 2004 an den Staatspräsidenten der Republik Litauen, Herrn Valdas Adamkus.
 
Das Wirken von Valdas Adamkus ist ein herausragendes Beispiel für das persönliche Engagement eines Menschen für Freiheit, Demokratie und Entwicklung der europäischen Integration, das die Gesellschaft mit dem Brückepreis ehren will.

Valdas Adamkus widmete seine zweite Lebenshälfte dem Ziel, sein Land politisch, ökonomisch und sozial an Europa heranzuführen. Er hat es Litauen durch seinen persönlichen Einsatz und die Anerkennung, die er bei Staatsmännern in aller Welt genießt, ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit den Anschluss an die westlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme zu finden und Mitglied der NATO und der EU zu werden. Seine Integrationskraft, seine Kontakte und seine Vita machten es ihm möglich, seinem Land Tore zu öffnen und Impulse zu geben, welche die Entwicklung Litauens - und des gesamten östlichen Europas - für die nächsten Jahrzehnte bestimmen werden.
 

Lebenslauf

  • am 3. November 1926 in Kaunas geboren
  • sein Vater Zivilangestellter, engagierte sich für die Unabhängigkeit Litauens von Russland
  • seine Mutter in leitender Position im Ministerium für Kommunikation

Ausbildung

  • Besuch des Gymnasiums in Kaunas
  • bereits als Schüler aktiv im Widerstand gegen die sowjetische Herrschaft
Entwicklung
  • nach der Niederlage Deutschlands und somit dem Ende der zeitweiligen deutschen Besetzung und der Rückkehr der Roten Armee Auswanderung mit seiner Familie nach Deutschland
  • zeitweilige Rückkehr nach Litauen und Kampf in einer Nationalen Verteidigungsorganisation gegen die Sowjets
    nach der Rückkehr in Deutschland naturwissenschaftliches Studium an der Universität in München
  • engagiert für Vertriebene im World YMCA (Christl. Verein Junger Männer)
  • Generalsekretär eines Komitees für Körperbildung und Sport
  • Gewinner von Gold- und Silbermedaillen bei Olympischen Spielen für Teilnehmer „versklavter Nationen“

Wirken

  • 1949 Auswanderung mit der Familie in die USA, Fabrikarbeiter in Chicago und später Zeichner in einem Ingenieurbüro
  • Studium an der University of Illinois mit Abschluss als Bauingenieur 1960
  • 1961 Gründung des Sportclubs „Lituanica“ (in den USA lebende Litauer)
  • 1967 Übernahme der Leitung der Organisation „Santara-Sviesa“ (Litauer mit liberaler Orientierung)
  • Leitungsmitglied der „Lithuanian Community“
  • Präsident des „American Lithuanian Council“ 
  • inzwischen Staatsbürger der USA Anschluss an die Republikanische Partei
  • Anfang der 70er Jahre Eintritt in den Amerikanischen Staatsdienst, Leitung eines Umweltforschungszentrums, später stellv. Verwaltungschef der Fünften Region der Umwelt Agentur in Chicago(Zentrum der Ostemigranten), bis 1997 Verwaltungschef 
  • Auszeichnung für die Rettung der Großen Seen Amerikas
  • Ab 1972 Engagement für die Stärkung der Unabhängigkeitsbewegung Litauens, Schmuggel von Emigrantenliteratur in das Land und aktiver Einsatz für die Veröffentlichung mehrerer Geschichtsbücher zu Litauen
  • Kümmert sich um amerikanische Umweltschutzprogramme in den Baltischen Staaten, Einsatz für die Schaffung von Kläranlagen, Beschaffung wissenschaftlicher Literatur, Ausrüstung und Hard- und Software für Umweltprojekte
  • Aktiv im Wahlkampf für die Präsidentenwahlen am 14. Februar 1993  für den bürgerlichen Kandidaten Stasys Lozoraitis, der sich nicht durchsetzen konnte
  • März 1997 Entschluss bei nächsten Präsidentenwahlen selbst zu kandidieren, wirbt mit westlicher Lebenserfahrung und internationalen Kontakten anstatt mit Versprechungen, seine Wahlkampfparole: „Freier Mensch - offene Gesellschaft - Starker Staat“
  • Gewann im zweiten Wahlgang im Januar 1998 mit 50,3% die Wahl und wurde Präsident  Litauens
  • Außenpolitisch klare Westorientierung, für einen Beitritt zu EU und NATO, aber auch Pflege eines guten Kontakts zu Russland
  • Innenpolitisch ruhender Pol in der Unrast der häufig wechselnden Koalitionen
  • Am 5. Januar 2003 Verlust des Amtes des Präsidenten an Paksas mit 45,3% zu 54,7%, bezeichnete den Wechsel an der Staatsspitze als einen „Sieg der Demokratie“
  • April 2004 Enthebung Paksas als Präsident mit Begründung der Bedrohung der nationalen Sicherheit Litauens durch seine Person
  • am 27. Juni 2004 gewinnt Adamkus in einer Stichwahl und wird erneut litauischer Präsident
  • 10. November 2004, Litauen ratifiziert als erster der 25 EU Staaten die EU-Verfassung
  • 7. Dezember 2004, Adamkus bestätigt das neue Kabinett von Ministerpräsident Brazauskas, die neue Regierung bekennt sich klar zur Westbindung des Landes und zur EU
  • 8. März 2005, Adamkus gibt bekannt, dass er nicht an den Feierlichkeiten aus Anlass des Kriegsendes in Moskau teilnimmt, er wollte an dem Schicksalstag bei seinem Volke sein

Auszeichnungen

  • als international anerkannter Umweltschützer
  • Ehrendoktor der Universitäten Inidana, Illinois, Vilnius
  • erhielt 1998 einen „Award of Outstanding Achievements on the International Area“
  • stiftete selbst einen Umweltpreis für litauische Umweltspezialisten und Schüler
     
Familie
  • mit seiner Frau Alma Adamkiene kinderlos verheiratet